Geschichten aus fernen Ländern

Die Menschen lesen gern Geschichten aus fernen Ländern á la Robinson Crusoe. Und als im 19. Jahrhundert die Wohnräume sehr behaglich eingerichtet, und nicht nur zum schlafen genutzt wurden, versank man zum Lesen gern in weiche Kissen und bereiste gedanklich fremde Orte. Das ist Stubenhockers große Reise, denn um viel zu erleben muss der Mensch nicht zwangsläufig das Haus verlassen.
Das weiß auch Bernd Stiegler, der das Buch “Reisender Stillstand” mit dem passenden Untertitel “Eine kleine Geschichte der Reisen im und um das Zimmer herum” schrieb. Das Buch legt gebührende Aufmerksamkeit auf diese Wahrnehmungsverschiebung, die besonders im 19. Jahrhundert zu beobachten war. Die Menschen waren regelrecht wohnsüchtig und staffierten den inneren Lebensraum derart aus, dass der Vergleich mit einem Zirkelkasten auftaucht, in dem die Instrumente ähnlich eingebettet sind. Stieglers Berichterstattung greift bis in die Heutige Zeit hinein. Auch ähnliche Bücher, wie “Reise über den Dachboden” oder “Reise durch meine Taschen” misstrauen dem exotischen Wesen der Fernreisen und finden im vertrauten Raum das betörende Fremde. In 21 handlichen Etappen behandelt der Autor Fotografie, Film, Kunst, Wissenschaft, Geografie, Botanik und Literatur. Interessantester Gedanke des Buches ist wahrscheinlich das Alpenhotel, das nur virtuel bereist werden kann.
Zwischenstationen einer Reise werden immer mehr ausstaffiert, sei es das Flugzeug, der Shuttlebus oder die Lounge. Das bietet Stoff für ein weiteres Buch. Die Vorarbeit hat Bernd Stiegler bereits geleistet.



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