Michal Sontheimers “Natürlich kann Geschossen werden!”
| Ein Artikel von Melanie Minden | ![]() |
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Mit Michal Sontheimers ?Natürlich kann Geschossen werden! Eine Kurze Geschichte der Roten Armee Fraktion? erschien im April eine weiteres Werk über eines der insgesamt prägendsten Ereignisse neuer deutscher Geschichte. Und auch wenn man als Leser eines solchen Buches schon längst den Anspruch verloren hat, gerade dieses möge ihm neue Erkenntnisse über den Aufbau der RAF, ihre Motive oder ihr System bringen, bleibt doch immer der Funke Hoffnung, dass zumindest ein wenig davon erfüllt werden könnte.
Sontheimer selbst sagt, in seinem Buch ginge es darum ?Was und wie junge Menschen auf die irrsinnige Idee kommen konnten einen bewaffneten Kampf zu erklären und die Machtverhältnisse der Bundesrepublik Deutschland mit Bomben und Maschienengewehren verändern zu wollen und es beschreibt warum und wie sie auf diese Art und Weise scheitern konnten, aber auch warum sie solange, 23 Jahre, immer weiter gemacht haben, obwohl das Ganze eine ziemlich hoffnungslose Angelegenheit war.?
Eine große Aufgabe, die er sich damit vorgenommen hat, denn immerhin steht ein Text mit diesem Anspruch von Anfang an in einer Reihe mit Stefan Austs ?Baader-Meinhof-Komplex? und Butz Peters? ?Tödlicher Irrtum?, beides wahre Brocken von Büchern, die miteinander kombiniert rein sachlich fast keine der allgemein bekannten Fragen offen lassen. Gerade das ist leider auch das Problem: So vieles rund um die RAF ist schon aufgeklärt worden, was also will dieses Buch noch neues entdecken?
Wie Anfangs bereits erwähnt ist der Anspruch des Autors der selbe, wie ihn schon viele Andere hatten: Er will der Ideologie auf den Grund gehen, mit der die Terroristen sich selbst dann noch brüsteten, als davon in der Realität nichts mehr übrig geblieben war. Dies gelingt Sontheimer nicht. Auch sein Versuch, über Zeitzeugenberichte neue Informationen zu erlangen misslingt, zu viele von ihnen haben in den letzten 33 Jahren über ihre Erfahrungen und Erlebnisse berichtet. Also bekommt man nur die altbekannten Floskeln, wobei man bei manchen von ihnen den Verdacht nicht loswird, die entsprechenden Personen wären auch heute nicht zu 100 Prozent davon überzeugt, einen Fehler gemacht zu haben. Ansonsten findet man in dem Buch lediglich alle bekannten Ereignisse, die mit ebenso bekannten Metaphern als ?neu? verkauft werden (Gudrun Ensslin tritt am Abend nach der Erschießung Benno Ohnesorgs als ?Todesengel? in einem Pub auf und verkündet, die ?Generation Ausschwitz? versuche ?uns alle zu ermorden?). Fazit: Wenn man sich bis dato weder an Aust noch an Peters gewagt hat steckt Sontheimers Werk voller neuer Erkenntnisse ? ansonsten eben nur voll Altbekanntem.
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