Günter Grass und seine Autobiografie

Günter Grass hat seine autobiografische Trilogie vollendet. Dazu gehören die Jugendautobiografie “Beim Häuten der Zwiebel”, die Familiengeschichte “Die Box” und das Doppelportrait “Grimms Wörter. Eine Liebeserklärung.” Nach eigener Aussage ist das Doppelportrait wahrscheinlich sein letztes Buch. Eigenhändig gestaltete er nicht nur Inhalt, sondern auch Titelblatt des Buches. In der erzählenden Biografie schildert Grass einfühlsam Herkunft und Familienangelegenheiten der Märchenerzähler. Die Gebrüder Grimm selber konnten in ihrem Wörterbuch nur die Buchstaben A bis F vollenden. Mit Arbeitsamt, Arbeiterbewegung und Arbeiteraufstand ergänzt Grass Wörter der heutigen Zeit. Er streift mit den beiden in kollegialen Totengesprächen durch den Berliner Tiergarten. Auch bei Günter Grass “waltet man seines Amtes” oder streift “der Tinte Überfluss ab.” Diese Nachahmung der damaligen Sprache verströmt den Duft alter Zeiten. Ausschweifende Geschichten verlottern gepflegt den Erzählvorgang. Das Wort Arbeitervertreter erinnert ihn an seine Wahlkampfreisen 1965 und 1968, was ihn wiederum zur Oder-Neiße-Grenze bringt, und schließlich nach Gelsenkirchen und Wanne-Eickel. Das B erinnert ihn an eine Künstlergarderobe im Berliner Ensemble, als Autor Weiland seine Brieftasche verlor. Grass ruft noch einmal ins Gedächtnis, wo seine Bedenken in der schnellen Wiedervereinigung Deutschlands waren, erinnert an Mutlangens Sitzblockade und an das was er beim Schriftstellertreffen am Schwielowsee an Hermann Kant kritisierte. So nimmt Günter Grass ermahnend Abschied. Oft hat er Recht behalten.



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